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    Startseite arrow MCAD Informationen arrow 9. Weiterführende Informationen zu bekannten MCAD-Mutationen
    9. Weiterführende Informationen zu bekannten MCAD-Mutationen Drucken E-Mail
    Geschrieben von Wollachee
    (Letzte Aktualisierung: Montag, 14. Mai 2012)

      

    Die für den MCAD-Mangel verantwortlichen Genmutationen werden üblicherweise in zwei unterschiedlichen Notationen beschrieben: a) in Form des erfolgten Basenaustausches an einer bestimmten Position des Gencodes (c.985A>G), im folgenden Basennotation genannt, oder b) in Form der Bezeichnung des daraus entstehenden Proteins (K329E), im folgenden Proteinnotation genannt.

    Leider wird in den Laborberichten zur molekulargenetischen Untersuchung oft nur eine der beiden möglichen Bezeichnungen genannt. Dieser Umstand erschwert oft die Suche nach weiteren Informationen zu den etwas selteneren Mutationen, da in vielen Online-Berichten natürlich genau die andere, und somit unbekannte Notation verwendet wird.

    Die folgende Liste enthält eine Übersicht vieler bisher bekannter MCAD-Mutationen in beiden üblichen Notationen, sowie die Angabe des betroffenen Exons/Introns und eine (vorsichtige) Einschätzung, ob es sich um eine milde (benigne=gutartige) Mutation handeln könnte (siehe unter der Tabelle angegebene Quelle). Bei einigen in der letzten Spalte mit "ja" bezeichneten Mutationen stammt diese Einschätzung aus den Befunden, bzw. den gegenüber den Eltern gemachten Äusserungen der jeweiligen Stoffwechselambulanzen, in denen die davon betroffenen Kinder betreut werden. Da die Einschätzungen in dieser Tabelle lediglich auf eine einzelne Mutation bezogen werden, ein MCAD-Mangel aber immer Mutationen auf beiden Genkopien voraussetzt, ist die Aussage "ja" so zu interpretieren, dass zumindest das von dieser Mutation betroffene Allel ein Enzym mit einem so großen Restnutzen produziert, dass alleine dadurch die Verarbeitung der mittelkettigen Fettsäuren weitgehend problemlos erfolgt. 

    Mutationen ohne Eintragung in der letzten Spalte sind allerdings nicht automatisch als schwer einzustufen, es wurden in den öffentlich zugänglichen Quellen lediglich bislang keine Einschätzungen dazu gefunden.

     

    Anmerkung: Bei der in der folgenden Tabelle angegebenen Einstufung der Mutationen auf ihren möglichen Beitrag zur Ausprägung eines milden oder schweren MCAD-Mangels, muss ein ohne entsprechende Recherchen nicht ersichtlicher Umstand berücksichtigt werden: mit sehr wenigen Ausnahmen kommen fast alle diese zur Zeit rund 70 bekannten MCAD-Punktmutationen sehr selten vor, und diese Einschätzungen beruhen daher fast immer auf Untersuchungen einzelner Fälle, auf die in den Arbeiten anderer Forschungsgruppen jedoch immer und immer wieder referenziert wird.

    Auch wenn sich also im Internet z.B. zu den Mutationen G267R oder S245L dutzende Berichte teils neueren Datums finden lassen, die bei homozygotem Vorliegen dieser beiden Mutationen eine milde Ausprägung nahelegen, handelt es sich bei den in allen diesen Berichten genannten MCAD-Patienten immer um die selben beiden Kinder, deren biochemische Auswirkungen des MCAD-Mangels bereits im Jahr 2001 untersucht und beschrieben wurden.

    Eine wirklich breitere Datenbasis existiert daher nur für die sehr häufig auffindbaren Mutationen, zu denen vor allem die Punktmutationen c.985A>G (K329E) und c.199T>C (Y67H) zählen.

     

    Punktmutationen

    Als "Punktmutationen" werden genetische Mutationen bezeichnet, bei denen an einer Stelle des genetischen Codes eine Veränderung in Form eines einzelnen Basenaustauschs erfolgt ist (missense-Mutation), die restliche Sequenz durch diese Mutation aber nicht verändert wurde. Im Gegensatz dazu führen Insertions, Deletions und auch Stopmutationen zu einer vollständigen Veränderung der ab der betreffenden Stelle folgenden Basensequenz.


    In der Gesamtheit aller Punktmutationen, Insertions, Deletions, Splicing- und sonstigen Varianten, wurden bis heute etwa 340 verschiedene Mutationen des ACADM-Gens identifiziert. Etwa 89% aller betroffenen Allele in der westlichen Welt weisen allerdings die K329E-Mutation auf. 

    DNA-Basenwechsel
    Exon/Intron Protein
    trägt möglicheweise zu milder Ausprägung bei?
    c.50G>A
    Exon 1 p.R17H
     
    c.85C>T
    Exon 2
    p.R29X nein (Stop-Codon am Anfang der Sequenz)
    c.127G>A Exon 3 p.E43K ja
    c.134A>G Exon 3
    p.Q45R  
    c.145C>G Exon 3 p.Q49E (ja) nein
    c.155C>T Exon 3
    p.A52V  
    c.157C>T Exon 3
    p.R53C  
    c.166G>C Exon 3
    p.A56P  
    c.199T>C Exon 3 p.Y67H ja
    c.233T>C Exon 4
    p.I78T  nein
    c.250C>T Exon 4
    p.L84F  
    c.253G>T Exon 4
    p.G85C  
    c.275C>T Exon 4
    p.P92L  
    c.311A>G Exon 5
    p.D104G  
    c.320T>C Exon 5
    p.L107S  
    c.347G>A Exon 5
    p.C116Y  
    c.351A>C Exon 5
    p.T117T ja
    c.362C>T Exon 5
    p.T121I  
    c.395C>G Exon 6
    p.P132R  
    c.430A>T Exon 6 p.K144X nein (Stop-Codon nach erstem Drittel der Sequenz)
    c.443G>A Exon 6
    p.R148K
     
    c.447G>A Exon 6
    p.M149I  
    c.464T>C Exon 6
    p.M155T nein
    c.472T>C Exon 7
    p.Y158H ja
    c.474T>G Exon 7
    p.Y158X ? (Stop-Codon in der Mitte der Sequenz)
    c.499T>C Exon 7
    p.S167P  
    c.526G>A Exon 7
    p.A176T  
    c.577A>G Exon 7
    p.T193A  
    c.580A>G Exon 7
    p.N194D  
    c.583G>A Exon 7
    p.G195R  
    c.589A>G Exon 7
    p.K197E  
    c.608T>G Exon 8
    p.L203X ? (Stop-Codon in der Mitte der Sequenz)
    c.609A>C Exon 8
    p.L203F  
    c.616C>T Exon 8
    p.R206C  
    c.617G>A Exon 8
    p.R206H ja
    c.617G>T Exon 8
    p.R206L  
    c.631C>T Exon 8
    p.P211S  
    c.661G>A
    Exon 8
    p.G221R
     
    c.662G>A
    Exon 8
    p.G221E
     
    c.683C>A Exon 8
    p.T228N  
    c.698T>C
    Exon 8
    p.I233T
    ja
    c.694C>T Exon 8
    p.Q232X ? (Stop-Codon in der Mitte der Sequenz)
    c.730T>C Exon 9
    p.C244R  
    c.734C>T Exon 9
    p.S245L ja
    c.742A>G Exon 9
    p.R248G  
    c.789A>C Exon 9
    p.L263F  
    c.797A>G Exon 9 p.D266G ja
    c.799G>A Exon 9 p.G267R

    homozyg.: ja
    comp-het.: nein

    c.806G>A
    Exon 9
    p.G269D
     
    c.820A>G Exon 9
    p.M274V  
    c.842G>C
    Exon 9
    p.R281T  
    c.843A>T Exon 9
    p.R281S  
    c.881G>C Exon 10 p.R294T  
    c.890A>G Exon 10
    p.D297G ja
    c.928G>A Exon 10
    p.G310R  
    c.977T>C Exon 11
    p.M326T  
    c.985A>G Exon 11 p.K329E nein
    c.1001G>A Exon 11
    p.R334K  
    c.1008T>A Exon 11
    p.S336R  
    c.1045C>T Exon 11
    p.R349X ? (Stop-Codon gegen Ende der Sequenz)
    c.1052C>T
    Exon 11
    p.T351I
     
    c.1055A>G Exon 11
    p.Y352C  
    c.1067T>C Exon 11
    p.I356T  
    c.1085G>A Exon 11
    p.G362E  
    c.1124T>C Exon 11
    p.I375T  
    c.1150G>T Exon 11
    p.E384X ? (Stop-Codon gegen Ende der Sequenz) 
    c.1189T>A Exon 11
    p.Y397N  
    c.1237C>A Exon 12
    p.R413S  
     
    Tabelle 1: Übersicht der meisten bislang bekannten Punktmutationen
     
     
     
    DNA-Basenwechsel
    Exon/Intron Protein trägt möglicheweise zu milder Ausprägung bei?

    c.287/2A>G (IVS4-2A>G)

    Intron 4    
    c.1114_1115insG Exon 11 p.A372fs  
    c.74C>G  Exon 1
    p.T25R ja
    c.927delC Exon 10 -  
    c.216+1G>T  Intron 4
    - nein
    c.203delA Exon 3 Asp43ValfsX10 nein
    c.901A>T Exon10 p.K301X
    nein
    c.244_245insT
    Exon 4
    -
    nein
     
    Tabelle 2: Weitere Mutationen aus den Reihen der Mitglieder dieser Seite
     

    Zur Erklärung der in beiden Notationen verwendeten Zählweise

    Die DNA-Strang setzt sich aus variabler Abfolge der Basen Adenin, Guanin, Cytosin und Thymin zusammen. Immer drei Basen bilden zusammen ein Codon (Basentriplett), welches für eine bestimmte Aminosäure codiert. Bei der Zählung in der Proteinnotation wird immer die Nummer des Basentripletts angegeben, daher ist die enthaltene Zahl immer genau ein Drittel so groß, wie die in der Basennotation genannte Position der veränderten Base. Die Basen an den Positionen 1, 2 und 3 gehören somit zum ersten Triplett, die Positionen 4,5 und 6 zum zweiten, usw. 

    In der Proteinnotation wird zusätzlich angeführt, welche aus diesen drei Basen codierte Aminosäure normalerweise entstehen sollte, und welche aufgrund der vorliegenden Mutation nun stattdessen gebildet wird. Dies wird mit den Buchstaben vor und nach der Zahl ausgedrückt. Da jeweils mehrere der 20 existierenden Aminosäuren mit dem gleichen Buchstaben beginnen, werden sie in der Nomenklatur mit einbuchstabigen Symbolen abgekürzt, die teilweise nichts mit dem realen Namen zu tun haben (siehe Tabelle 3).

    Beispiel: Die am weitesten verbreitete Mutation c.985A>G beschreibt einen Austausch der 985. Base von Adenin (A) nach Guanin (G), welche (geteilt durch 3) die erste der drei Basen des 329. Tripletts ist. Dadurch entsteht aus der normalerweise mit diesem Triplett codierten Aminosäure Lysin (Symbol "K", an dieser Position in der Codonvariante AAA enthalten) die Aminosäure Glutamat (Symbol "E", Codon GAA). Zusammengesetzt lässt sich somit aus 985A>G die andere Schreibweise der gleichen Mutation namens K329E ableiten.

     

    Name der Aminosäure
    Symbol
    mögliche Codons
     Alanin A  GCT, GCC, GCA, GCG
     Arginin R  CGT, CGC, CGA, CGG, AGA, AGG
     Asparagin N  AAT, AAC
     Asparaginsäure D  GAT, GAC
     Cystein C  TGT, TGC
     Glutamin Q  CAA, CAG
     Glutaminsäure (Glutamat) E  GAA, GAG
     Glycin G  GGT, GGC, GGA, GGG
     Histidin H  CAT, CAC
     Isoleucin I  ATT, ATC, ATA
     Leucin L  TTA, TTG, CTT, CTC, CTA, CTG
     Lysin K  AAA, AAG
     Methionin (Start-Codon) M  ATG
     Phenylalanin F  TTT, TTC
     Prolin P  CGT, CCC, CCA, CCG
     Serin S  TCT, TCC, TCA, TCG, AGT, AGC
     Threonin T  ACT, ACC, ACA, ACG
     Tryptophan W  TGG
     Tyrosin Y  TAT, TAC
     Valin V

      GTT, GTC, GTA, GTG

     Stop(Nonsense)-Codons X  TAA, TAG, TGA

    Tabelle 3: Alle 20 Aminosäuren, deren Symbole und mögliche Codons

     

    Um bei Interesse nun herauszufinden, was durch die gefundene Mutation genau passiert, kann die obige Tabelle herangezogen werden.

    Beispiel: Die häufig gefundene und als mild eingeschätzte Mutation p.Y67H (c.199T>C) bewirkt den Wechsel von Tyrosin (Symbol "Y", Codons TAT, TAC) nach Histidin (Symbol "H", Codons CAT, CAC) im 67. Triplett, welches die Basen 199, 200 und 201 umfasst. Der Basenaustausch erfolgt in der ersten Base dieses Tripletts, also änderte sich gemäß Tabelle 5 das Codon an dieser Stelle von TAT nach CAT.

     

    Eine Sonderform - die "stillen" Mutationen!

    Nicht jede Mutation in Form eines Basenaustauschs führt zwangsläufig zur Bildung einer falschen Aminosäure innerhalb der Sequenz. Da sich aufgrund der Kombinationsmöglichkeiten aus den vier Basen A, C, G und T insgesamt 64 verschiedene Codons bilden lassen, die aber insgesamt nur für 20 (mit "X" 21) verschiedene Aminosäuren codieren, gibt es eine ganze Reihe von denkbaren und auch vorkommenden Mutationen, die zwar eine Base gegen eine andere austauschen, jedoch im Ergebnis trotzdem die gleiche Aminosäure produzieren. So kann z.B. das "T" in GCT auch aufgrund einer Mutation durch die Basen A, C und G ersetzt werden, und trotzdem führen alle diese Variationen nach wie vor zur Bildung von Alanin. Man bezeichnet diese Mutationen als "still", bzw "silent", da man sie zwar im Rahmen einer Gensequenzierung finden würde, die Aminosäurenfolge jedoch nicht verändert ist und das Protein somit keinerlei Auffälligkeiten bzw Einschränkungen aufweist.

     

    Die vollständige MCAD-Aminosäuren-Sequenz

    Insgesamt besteht das MCAD-Enzym aus einer Sequenz von 421 Aminosäuren und somit aus 1263 codierenden Basen. Die restlichen 37640 Basen befinden sich innerhalb von Introns oder anderen nicht codierenden Regionen. Die normale Abfolge der Aminosäuren-Sequenz lautet wie folgt:

     


    1-10
    11-20 21-30 31-40 41-50
    1-50
    MAAGFGRCCR VLRSISRFHW RSQHTKANRQ REPGLGFSFE FTEQQKEFQA
    51-100
    TARKFAREEI IPVAAEYDKT GEYPVPLIRR AWELGLMNTH IPENCGGLGL
    101-150
    GTFDACLISE ELAYGCTGVQ TAIEGNSLGQ MPIIIAGNDQ QKKKYLGRMT
    151-200
    EEPLMCAYCV TEPGAGSDVA GIKTKAEKKG DEYIINGQKM WITNGGKANW
    201-250
    YFLLARSDPD PKAPANKAFT GFIVEADTPG IQIGRKELNM GQRCSDTRGI
    251-300
    VFEDVKVPKE NVLIGDGAGF KVAMGAFDKT RPVVAAGAVG LAQRALDEAT
    301-350
    KYALERKTFG KLLVEHQAIS FMLAEMAMKV ELARMSYQRA AWEVDSGRRN
    351-400
    TYYASIAKAF AGDIANQLAT DAVQILGGNG FNTEYPVEKL MRDAKIYQIY
    401-421
    EGTSQIQRLI VAREHIDKYK N(X)

    Tabelle 4: Aminosäuren-Sequenz des MCAD-Enzyms mit markierten Mutationsvorkommen

    Rot: in MCAD-Datenbank enthaltene Mutationen (1. Tabelle)
    Blau: weitere bei Mitgliedern gefundene Mutationen (2. Tabelle)
    Grau: Mutationen, die zu einem Stop-Codon führen (wenn Austausch nach X)
    Schwarz: Die am weitesten verbreitete Mutation K329E (c.985A>G)
    Grün: Die inzwischen oft gefundene milde Mutation Y67H(c.199T>C)

      

    Die vollständige Nukleotid-Sequenz

    Die zuvor aufgeführten Aminosäuren werden durch die oben beschriebenen Basentripletts codiert. Die Sequenz beginnt mit dem Startcodon "atg" , welches gleichzeitig die Aminosäure Methionin (M) codiert. Es folgt in der ersten Zeile mit den Codons "gca gcg ggg ttc ggg cga tgc tgc agg" die Aminosäuren-Sequenz "A A G F G R C C R", usw. Die gesamte Folge endet mit einem der drei möglichen Stopcodons, in diesem Fall "taa". Auch in dieser Tabelle ist die für K329E (c.985a>g) verantwortliche Mutation in schwarz und die für Y67H (c.199t>c) zuständige Mutation in grün markiert, diesmal allerdings auf Basenebene.

    An allen rot markierten Stellen kann sich ein vorzeitiges Stop-Codon (taa, tag, tga) ergeben, wenn durch eine vorher in der Sequenz auftretende Insertion oder Deletion eine Verschiebung des Leserasters um eine oder zwei Stellen nach vorne oder nach hinten bewirkt wird.

     

       1
      31
      61
      91
     121
     151
     181
     211
     241
     271
     301
     331
     361
     391
     421
     451
     481
     511
     541
     571
     601
     631
     661
     691
     721
     751
     781
     811
     841
     871
     901
     931
     961
     991
    1021
    1051
    1081
    1111
    1141
    1171
    1201
    1231
    1261

    atg gca gcg ggg ttc ggg cga tgc tgc agg
    gtc ctg aga agt att tct cgt ttt cat tgg
    aga tca cag cat aca aaa gcc aat cga caa
    cgt gaa cca gga tta gga ttt agt ttt gag
    ttc acc gaa cag cag aaa gaa ttt caa gct
    act gct cgt aaa ttt gcc aga gag gaa atc
    atc cca gtg gct gca gaa tat gat aaa act
    ggt gaa tat cca gtc ccc cta att aga aga
    gcc tgg gaa ctt ggt tta atg aac aca cac
    att cca gag aac tgt gga ggt ctt gga ctt
    gga act ttt gat gct tgt tta att agt gaa
    gaa ttg gct tat gga tgt aca ggg gtt cag
    act gct att gaa gga aat tct ttg ggg caa
    atg cct att att att gct gga aat gat caa
    caa aag aag aag tat ttg ggg aga atg act
    ga
    g gag cca ttg atg tgt gct tat tgt gta
    a
    ca gaa cct gga gca ggc tct gat gta gct
    ggt ata aag acc aaa gca gaa aag aaa gga
    gat gag tat att att aat ggt cag aag atg
    tgg ata acc aac gga gga aaa gct aat tgg
    tat ttt tta ttg gca cgt tct gat cca gat
    cct aaa gct cct gct aat aaa gcc ttt act
    gga ttc att gtg gaa gca gat acc cca gga
    att cag att ggg aga aag gaa tta aac atg
    ggc cag cga tgt tca gat act aga gga att
    gtc ttc gaa gat gtg aaa gtg cct aaa gaa
    aat gtt tta att ggt gac gga gct ggt ttc
    aaa gtt gca atg gga gct ttt gat aaa acc
    aga cct gta gta gct gct ggt gct gtt gga
    tta gca caa aga gct ttg gat gaa gct acc
    aag tat gcc ctg gaa agg aaa act ttc gga
    aag cta ctt gta gag cac caa gca ata tca
    ttt atg ctg gct gaa atg gca atg aaa gtt
    ga
    a cta gct aga atg agt tac cag aga gca
    gct tgg gag gtt gat tct ggt cgt cga aat
    acc tat tat gct tct att gca aag gca ttt
    gct gga gat att gca aat cag tta gct act
    ga
    t gct gtg cag ata ctt gga ggc aat gga
    ttt aat aca gaa tat cct gta gaa aaa cta
    atg a
    gg gat gcc aaa atc tat cag att tat
    ga
    a ggt act tca caa att caa aga ctt att
    gta gcc cgt gaa cac att gac aag tac aaa
    aat taa                                

      Tabelle 5: Nukleotid-(Basen-)Sequenz des MCAD-Enzyms

     

     

    Besonderheiten einzelner Mutationen

    c.127G>A (p.E43K)

    Die klinische Relevanz dieser Mutation hinsichtlich der Auslösung eines als solchen zu bezeichnenden MCAD-Mangels ist zweifelhaft. Die bisher in Studien untersuchten Patienten mit der Mutationskombination c.985A>G und c.127G>A zeigten im Neugeborenenscreening durchweg nur sehr gering erhöhte C8 und C8/C10-Werte. Auch bei weiterer Beobachtung dieser Kinder konnten nicht die sonst für den MCAD-Mangel charakteristischen Auffälligkeiten gefunden werden. Diese Mutation scheint daher so harmlos zu sein, dass sich die leichten Erhöhungen im Screening im Wesentlichen aus dem gleichzeitigen Vorliegen der bekannten K329E-Mutation ableiten lassen, die dann aber als quasi heterozygot vorliegende ACADM-Mutation nicht zu einem nennenswerten Defizit des MCAD-Enzyms führt. Rein formal ein milder MCAD-Mangel, aber ganz dicht dran am reinen Carrier.

    (Quellen: "Tandem Mass Spectrometric Analysis for Amino, Organic, and Fatty Acid Disorders..."
    und "Spectrum of Medium-Chain Acyl-CoA Dehydrogenase Deficiency detected by Newborn Screening")

     

    c.74C>G (p.T25R)

    Diese Mutation wird bislang nicht in den MCAD-Mutations-Datenbanken geführt, und scheint somit extrem selten zu sein. Sie wurde bei einem Kind in Kombination mit K329E gefunden, dessen phänotypische Ausprägung aufgrund der zwei gefundenen Mutationen und der leicht erhöhten Werte nach ärztlicher Einschätzung als milder MCAD-Mangel eingestuft wurde. Die im Neugeborenenscreening und den weiteren Untersuchungen ermittelten Acylcarnitinwerte lagen allerdings durchweg so minimal über den zugrundegelegten Grenzwerten, wie es sonst nur bei lediglich anfangs auffälligen, jedoch reinen Carriern der Fall ist. Die Mutation c.74C>G scheint daher - obwohl sie noch ganz am Anfang der Basensequenz platziert ist - fast gar keine Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des MCAD-Enzyms zu haben, so dass sich die leicht erhöhten Werte im Wesentlichen aus dem gleichzeitigen Vorliegen der K329E-Mutation ableiten lassen. Rein formal ein milder MCAD-Mangel, aber ganz dicht dran am reinen Carrier.

     

    c.145C>G (p.Q49E)

    Diese extrem seltene Mutation wurde in Folge einer schweren Entgleisung bei einem dreijährigen Mädchen in Kombination mit c.985A>G gefunden und wissenschaftlich untersucht. Die Untersuchungen haben eine relativ hohe Restaktivität des Enzyms bei gleichzeitiger geringer Konzentration der organischen Säuren im Urin während der Entgleisung ergeben. Obwohl die Mutationskombination c.145C>G/c.985A>G daher trotz bereits dokumentierter Entgleisung im vermutlich einzigen bekannten Fall ihres Vorliegens in den wissenschaftlichen Datenbanken als möglicherweise milde Ausprägung eines MCAD-Mangels geführt wird, soll hier festgehalten werden, dass sie nicht dazu geeignet ist, eine risikofreie Ausprägung des MCAD-Mangels vermuten zu lassen.

    (Quelle: "A novel mutation of the ACADM gene (c.145C>G)...")

     

    c.799G>A (p.G267R)

    Diese Mutation wurde in der Vergangenheit (ab 1991) in compound heterozygoter Kombination schon mehrmals in Folge einer metabolischen Entgleisung gefunden. Beim direkten Vergleich mit den Restaktivitäten von K329E haben sich zwar ähnliche Werte gezeigt, jedoch scheinen Personen mit G267R homozygot eine milde Ausprägung des MCAD-Mangels aufzuweisen. Diese Annahme basiert aber anscheinend auf bisher lediglich einem untersuchten Fall eines türkischen Kindes mit blutsverwandten Eltern.

    (Quelle: "Molecular and functional characterisation of mild MCAD deficiency")

     

    c.734C>T (p.S245L)

    Auch über diese Mutation wurde bisher hauptsächlich herausgefunden, dass sie bei homozygotem Vorliegen (ein untersuchter Fall eines türkischen Kindes mit blutsverwandten Eltern) zu einer milden, bzw milderen Ausprägung des MCAD-Mangels zu führen scheint, wenn man die biochemischen Werte mit denen von K329E homozygot vergleicht.

    (Quelle: "Molecular and functional characterisation of mild MCAD deficiency")

     

    c.216+1G>T

    Die Angabe "+1" in dieser Mutationsbezeichnung gibt an, dass die erste ("+1") Base aus dem Intron betroffen ist, welches dem Exon mit der letzten Base an Position 216 folgt. Dabei handelt es sich um Exon 3, daher könnte diese Mutation auch mit der Bezeichnung IVS3+1G>T beschrieben werden. Die zwischen den Exons liegenden Introns werden normalerweise während des Splicing-Prozesses entfernt, so dass auf den Introns liegende Mutationen üblicherweise keine Bedeutung haben. Der Beginn eines Intron-Segments wird jedoch meist mit der Sequenz GU codiert (das Ende mit AG), und durch den Austausch von G>T in der Startsequenz GU wird diese zu TU, wodurch das Splicing an dieser Stelle nicht ordnungsgemäß funktioniert. Das Intron wird nicht als solches erkannt und entfernt, sondern führt zur weitgehenden Fehlbildung des entstehenden Proteins.

     

     

    c.233T>C

    Diese extrem seltene Mutation wurde im Rahmen einer von 2003-2005 laufenden niederländischen Studie zum MCAD-Mangel bei einem Kind mit möglicherweise blutsverwandten Eltern in homozygotem Zustand gefunden. Aufgrund der in typischer Weise erhöhten Acylcarnitinwerte und der deutlich verminderten Enzymrestaktivität wurde diese Mutation in die Gruppe der normalen, also schweren MCAD-Ausprägungen eingeordnet.

    (Quelle: siehe Artikelsammlung "Neugeborenenscreening auf MCAD in den Niederlanden")

     

    c.287/2A>G (IVS4-2A>G)

    Wie bei der zuvor beschriebenen Mutation, bezieht sich auch diese hier nicht auf ein Exon, sondern auf ein Intron, diesmal jedoch in der Rückwärtsbetrachtung. Die Notation IVS4-2A>G gibt an, dass am Ende des dem vierten Exon (IVS4) vorangehenden Introns die vorletzte Base (-2) einen Austausch von Adenin (A) nach Guanin (G) erfahren hat. Die zwischen den Exons liegenden Introns werden normalerweise während des Splicing-Prozesses entfernt, so dass auf den Introns liegende Mutationen üblicherweise keine Bedeutung haben. Das Ende eines Intron-Segments wird jedoch meist mit der Sequenz AG codiert (der Anfang mit GU), und durch den Austausch von A>G in der Endsequenz AG wird diese zu GG, wodurch das Splicing an dieser Stelle nicht ordnungsgemäß funktioniert. Das Intron wird nicht als solches erkannt und entfernt, sondern führt zur weitgehenden Fehlbildung des entstehenden Proteins.

     

    c.203delA (ASP43ValfsX10)

    Durch die Deletion, also Löschung eines Zeichens an Basenposition 203 verschiebt sich bei dieser Mutation das Leseraster der Aminosäuren-Codierungs-Sequenz um eine Stelle. Dies wird auch durch die Buchstabenfolge fs (=Frameshift) in der Proteinnotation ausgedrückt. Dies führt in der Folge schon wenige Tripletts später (Position 229) zur vorzeitigen Entstehung eines Stop-Codons, an dem die Bildung der Proteins abgebrochen wird. Unter "Leseraster" ist zu verstehen, dass immer 3 Basen zusammen ein Basentriplett (Codon) bilden, aus dem eine der 20 möglichen, unterschiedlichen Aminosäuren produziert wird. Wenn, wie im Fall dieser Mutation, eine einzelne Base gelöscht wurde, rutscht im Dreier-Leseraster für das betroffene und alle folgenden Codons die erste Base aus dem eigentlich erst nächsten Codon nach. Somit werden ab dieser Position alle Aminosäuren falsch codiert, und das entstehende Protein - und somit das MCAD-Enzym - ist weitgehend funktionslos. An vielen Stellen in der Basenabfolge entsteht durch die Verschiebung des Leserasters eines der drei möglichen Stop-Codons taa, tga oder tag, so dass eine frühe in der Basenfolge auftretende Deletion oder Insertion in den meisten Fällen zu einem verfrühten vollständigen Abbruch der Proteinbauphase führt.

     
    c.927delC

    Durch die Deletion eines Zeichens an Position 927 verschiebt sich bei dieser Mutation das Leseraster der Aminosäuren-Codierungs-Sequenz um eine Stelle (siehe c.203delA, so dass wenige Stellen (Position 940) nach dieser Mutation ein vorzeitiges Stop-Codon entsteht.

     

    c.1114_1115insG

    Diese Mutation führte zur Insertion einer zusätzlichen Guanin-Base zwischen den Basenpositionen 1114 und 1115, wodurch sich, wie zuvor beschrieben, eine Verschiebung des Leserasters um eine Stelle ergibt (siehe c.203delA) und an Position 1144 ein vorzeitiges Stop-Codon entsteht. Die Position 1114 befindet sich allerdings schon sehr weit am Ende des Gencodes, wodurch ein sehr großer Teil davor noch korrekt gebildet werden sollte. Je weiter hinten im Code ein Fehler auftritt, desto mehr Restaktivität hat üblicherweise der bis dahin gebildete Enzymabschnitt.

       

    c.901a>t

    Diese Mutation wurde anscheinend bislang erst einmal gefunden. Durch den Wechsel von Adenin nach Thymin an Basenposition 901 wird aus dem dort normalerweise stehenden Lysin-Codon (aag) ein verfrühtes Stop-Codon (tag), welches die Proteinbildung beendet. Das letzte Drittel der Codierungssequenz wird damit nutzlos, jedoch könnte das bis dahin ordnungsgemäß gebaute Protein noch einen relativ großen Restnutzen haben. Die Acylcarnitinwerte des Carrier-Elternteils lassen zumindest darauf schliessen.

     

     

    c.244_245insT

    Diese Mutation führte zur Insertion einer zusätzlichen Thymin-Base zwischen den Basenpositionen 244 und 245, wodurch sich eine Verschiebung des Leserasters um eine Stelle ergibt (siehe c.203delA) und an Position 310 ein vorzeitiges Stop-Codon entsteht. Die Position 310 befindet sich am Ende des ersten Viertels des Gencodes, wodurch ein extrem verkürztes Protein mit rund einem Viertel falsch codierter Aminosäuren gebildet wird. Dadurch steht fest, dass es sich hierbei um eine Mutation mit sehr schweren Auswirkungen handelt. Der hiervon gebildete Teil der "MCAD-Enzyme" ist zu nichts zu gebrauchen.

     

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