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Aus kleinen Kindern mit MCAD-Mangel werden irgendwann Teenies, dann Jugendliche und später auch Erwachsene mit MCAD-Mangel!
Der von Verwandten und Bekannten oft gehörte und sicherlich mutmachend gemeinte Spruch "Ach, das verwächst sich schon noch!" ist leider nicht zutreffend, da es sich, wie im Artikel "Woher kommt der MCAD-Mangel" beschrieben, um eine in den Genen verankerte, angeborene, und somit nicht nur vorübergehend existierende Stoffwechselstörung handelt, die das gesamte Leben eines davon betroffenen Menschen beeinflussen wird.
Das Risiko einer Stoffwechselentgleisung wird sich mit zunehmendem
Alter zwar deutlich verringern, aber niemals ganz verschwinden.
Kindheit
In im Internet zu findenden und meist recht kurzen Artikeln ist oft zu lesen, dass eine Erstmanifestation, also
ein erstmaliges Auftreten einer als Stoffwechselentgleisung zu bezeichnenden Krankheitssituation bei unentdecktem und
unbehandeltem MCAD-Mangel meistens schon innerhalb der ersten zwei
Lebensjahre zu erwarten ist. Dies kommt daher, dass ein Säugling, bzw
Kleinkind noch nicht in der Lage ist, auf Signale seines Körpers zu
achten und sich entsprechend zu verhalten. Ein Säugling fühlt sich
aufgrund eines Infekts irgendwie nicht wohl in seiner Haut, wird
quengelig und verweigert einfach die Nahrungsaufnahme. Dadurch kommt
dann noch Hunger hinzu (ein weiteres unangenehmes Gefühl, das er noch nicht
einordnen kann), und so dreht sich die Spirale weiter.
Da sich das Immunsystem eines Kindes in den ersten Lebensjahren erst
langsam aufbauen muss, sind häufige Infekte ganz normal und ein
wichtiger Punkt zur Stärkung und zum Training der Immunabwehr. Mit dem Eintritt in den Kindergarten nimmt die Infekthäufigkeit aber noch
mal eine ganz neue Dimension an. Kaum ist eine Erkältung überstanden, kommt
schon die nächste, und dazu gesellen sich noch die dann besonders häufigen Magen-Darm-Infekte, sowie die üblichen
Kinderkrankheiten, wie Masern, Scharlach, Windpocken, Mumps,
Keuchhusten, usw.
Für die Eltern eines MCAD-Kindes stellt diese Zeit noch einmal eine
besondere Belastung dar, da die ständigen Infekte meistens auch mit
einer deutlichen körperlichen Schwäche und Appetitlosigkeit des
Kindes einhergehen. Hier sind gute Ideen notwendig, wie die
ausreichende Ernährung des Kindes trotzdem, z.B. durch die Anreichung
von Getränken mit Maltodextrin, sichergestellt werden kann. Wenn gar nichts hilft,
sollte man nicht zögern, das Kind in der Stoffwechselambulanz oder
einer anderen ausreichend informierten Klinik mit Glukoseinfusionen
versorgen zu lassen, bis sich die Essensaufnahme wieder annähernd
normalisiert hat.
Mit dem Schulanfang ist die schlimmste Phase der häufigen Erkrankungen
oftmals überstanden. Auch ist das Kind dann in einem Alter, in dem man ihm
schon verständlich und eindringlich genug erklären kann, weshalb es unbedingt auf eine regelmäßige
Nahrungsaufnahme achten muss, und wen es um Hilfe bitten soll, wenn es
anfängt, sich irgendwie eigenartig zu fühlen.
Auswirkungen des MCAD-Mangels auf die körperliche und geistige Entwicklung
Den bisherigen Erkenntnissen zufolge wird sich ein Kind mit MCAD-Mangel, insbesondere mit einer milden Variante, völlig normal entwickeln, wenn in den vergleichsweise wenigen kritischen Situationen die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen konsequent beachtet werden. Darunter ist hauptsächlich die Gabe von Maltodextrin zur Überbrückung kürzerer Krankheitsphasen, bzw. der Klinikaufenthalt mit Glukoseinfusionen bei schwereren Fällen von Nahrungsverweigerung zu verstehen.
Ob und wie oft man seinem Kind Carnitin gibt, sollte man einfach von den Empfehlungen der zuständigen Stoffwechselambulanz abhängig machen. Obwohl es da ganz unterschiedliche Ansichten gibt, muss/will man als Eltern ja schließlich doch weitestgehend mit den betreffenden Ärzten zusammenarbeiten und sich nicht immer wieder auf nutzlose Diskussionen einlassen.
Die in manchen kurzen Internet-Artikeln zum MCAD-Mangel genannten bleibenden Hirnschädigungen traten in der Vergangenheit hauptsächlich deshalb auf, weil der bei den betreffenden Kindern vorliegende MCAD-Mangel nicht bekannt war. Daher waren sowohl die Eltern, als auch die behandelnden Ärzte nicht schnell genug in der Lage, die akut vorliegende Notsituation richtig zu beurteilen und mit geeigneten Gegenmaßnahmen zu bekämpfen, obwohl dies so einfach gewesen wäre. Für die Fans der Serie Emergency Room: In Staffel 6 Episode 20 ("Ungeklärte Verhältnisse") zeigt ein Handlungsstrang genau so ein Kind mit bis dahin unbekanntem, und daher auch erst sehr spät in der Klinik behandeltem MCAD-Mangel.
Der wichtigste Faktor zur Vermeidung der früher oft schlimm endenden metabolischen Krisen ist deshalb, über das Vorliegen des MCAD-Mangels überhaupt informiert zu sein, und sich darüber hinaus zumindest in Grundzügen mit dessen Wesen und Behandlung auszukennen. Mit ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit in den riskanten Situationen lassen sich diese gut meistern.
Spätere Gefahrenquellen
Jugendliche mit MCAD-Mangel haben schon eine deutlich höhere
Nüchterntoleranzzeit, aber auch sie sollten über die ihre
Stoffwechselstörung betreffenden Risiken umfassend informiert und
sensibilisiert werden. Gerade in diesem Alter kann es nämlich wieder
ganz andere Risikofaktoren geben, die vorher sowohl für das Kind, als
auch dessen Eltern überhaupt kein Thema waren.
Da wäre zum einen der aus Sicht eines Erwachsenen völlig irrationale
Schlankheitswahn, dem besonders gerne pubertierende Mädchen zum Opfer
fallen. Man eifert seinen "Vorbildern" aus dem Fernsehen nach und
möchte gerne auch so schlank wie Deutschlands nächstes Top-Model sein,
oder glaubt, man habe bessere Chancen bei den Jungs aus der eigenen
Klasse, wenn man dünner als die Rivalinnen ist. Der psychische Druck
innerhalb einer Klasse oder Clique kann gewaltig sein und dazu führen,
dass sich selbst schlanke Mädchen immer noch viel zu dick fühlen und
sich auf Biegen und Brechen den nicht vorhandenen Speck runterhungern
wollen.
Selbst bei nicht vom MCAD-Mangel betroffenen Jugendlichen ist in so
einem Fall die seelische und moralische Unterstützung durch die
Eltern stark gefordert. Aber gerade bei bestehendem MCAD-Mangel
sollten sich die Eltern auch nicht scheuen, professionelle Hilfe in
Gestalt eines Psychotherapeuten für ihr Kind in Anspruch zu nehmen, denn
solch ein Problem muss unbedingt an der Wurzel behandelt werden.
Ein anderes Problem, über das in den letzten Jahren vermehrt in den
Medien berichtet wird, ist der unter Jugendlichen stark zunehmende
Alkoholmissbrauch.
Artikel: Erste Stoffwechselkrise bei 16-jährigem Mädchen nach Alkoholmissbrauch
Der >hier< als Zusammenfassung verlinkte englischsprachige Artikel berichtet von einem
16-jährigen Mädchen, bei dem nach einem exzessiven Alkoholkonsum mit
darauffolgender Hungerphase erstmals eine schwere
Stoffwechselentgleisung auftrat. Die Krise äußerte sich in Form einer
akuten und bis zum Koma führenden Störung der Gehirnfunktion
(Enzephalopathie). Die Begleiterscheinungen (Leber- und Nierenversagen,
Herzstörungen) konnten die Ärzte mittels Beatmung, Infusionen,
Blutkonserven und Dialyse letztlich in den Griff bekommen. Am 6. Tag
wurde ein bis dahin nicht bekannter MCAD-Mangel diagnostiziert, nach 20
Tagen konnte das Mädchen entlassen werden. Zu diesem Zeitpunkt bestand
noch eine leichte Muskelfunktionsstörung, bzw. Muskelschwäche, die sich
aber in der folgenden Zeit deutlich besserte.
Der Artikel schließt mit der Feststellung, dass die Diagnose
MCAD-Mangel in jedem Alter ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erfordert,
und dass Alkohol möglicherweise ein eine Stoffwechselentgleisung
begünstigender Faktor sein könnte.
(Artikel gefunden von Schlumpf)
Zu diesem Thema wird in dem Buch "Clinical Paediatric Dietetics"
von Vanessa Shaw und Margaret Lawson, Blackwell Publishing, darauf
hingewiesen, dass Alkohol den Prozess der Gluconeogenese, also der
Glukoseerzeugung aus organischen Nicht-Kohlenhydrat-Vorstufen blockiert. Exzessiver Alkoholkonsum kann bei bestehendem MCAD-Mangel deshalb sehr gefährlich werden. Im gleichen Abschitt (Seite 424) wird bestätigt, dass die durch das Zuviel an Alkohol eintretende Übelkeit
und Unwohlseinsphase auf jeden Fall dazu führen kann, dass die
Zeitspanne, in der die betreffende Person nach dem Exzess keinen Drang
zur Nahrungsaufnahme verspürt, ein kritisches Maß annimmt. Auch das in
dem obigen Artikel erwähnte Mädchen hatte nach dem Besäufnis
anscheinend eine längere Hungerphase durchgemacht, bevor es zu der
Entgleisung kam. Der Konsum alkoholischer Getränke darf deshalb nur in sehr begrenztem Maße und immer nur in Kombination mit einer Mahlzeit erfolgen.
Die Empfehlungen der Stoffwechselexperten gehen dahin, dass Jugendliche und auch Erwachsene mit MCAD-Mangel niemals mehr als ein alkoholisches Getränke pro "Gelegenheit" zu sich nehmen sollten, und dies nach Möglichkeit auch nur in Verbindung mit einer ordentlichen Mahlzeit. Besser wäre es für Menschen mit MCAD-Mangel, vollkommen auf Alkohol zu verzichten. Eines muss den Jugendlichen auf jeden Fall frühzeitig sehr deutlich klar gemacht werden: Für ihre gleichaltrigen Freunde, die sie vielleicht zu einem kleinen Besäufnis überreden wollen, wird dies im Normalfall nur mit Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, und am nächsten Morgen einem gewaltigen Kater enden. Für sie selbst aber kann die gleiche Ausgangssituation auch mit deutlich geringerem Alkoholkonsum schon eine lebensbedrohliche metabolische Krise nach sich ziehen und in der Notaufnahme des Krankenhauses enden.
Im Erwachsenenalter
Auch als Erwachsener muss bei bekanntem MCAD-Mangel immer darauf
geachtet werden, dass eine regelmäßige Nahrungsaufnahme erfolgt. Die
Nüchterntoleranzzeiten sind dann zwar (aufgrund der größeren Glukosereserven in der Leber) bedeutend länger, doch in
besonderen Situationen, z.B. geplanten Operationen mit vorausgehender
angeordneter Nüchternheitsphase, müssen die behandelnden Ärzte
unbedingt immer über den vorliegenden MCAD-Mangel informiert werden, so
dass dieser Umstand in die Behandlung mit eingeplant werden kann. Erfordert eine Operation unter Vollnarkose eine vorangehende mehrstündige Nüchternphase, ist dies durchaus möglich, denn anstelle fester Nahrung kann die notwendige Energie auch in Form einer Glukoselösung zugeführt werden.
Artikel: Erstmanifestation des MCAD-Mangels bei einem Erwachsenen in Form von Koma und ernsten Herzrhythmusstörungen
Dieser Artikel (Kurzfassung) aus dem Jahr 2003 schildert den Fall eines 33-jährigen Mannes, der sich aufgrund von Kopfschmerzen und Erbrechen ins Krankenhaus begab. Bald nach der Aufnahme stellten sich bei ihm Schläfrigkeit, Verstörtheit, sowie ventrikuläres Herzrasen ein und sein neurologischer Zustand verschlechterte sich bis hin zu einem schweren Koma (Glasgow Coma Scale 6). Nach und nach stellten sich weitere Herzprobleme bis hin zum Kammerflimmern und schließlich Herzstillstand ein, der aber erfolgreich behandelt werden konnte. Ein CT-Scan zeigte Wassereinlagerungen im Gehirn auf. Während des Aufenthalts auf der Intensivstation wurde Muskelzerfall (Rhabdomyolyse) diagnostiziert und es kam zum Nierenversagen. Die bei der Aufnahme in die Klinik festgestellten metabolischen Auffälligkeiten normalisierten sich innerhalb von 48 Stunden aufgrund intravenöser Glukoseinfusion. Weitere Untersuchungen, u.a. der organischen Säuren im Urin und des Acylcarnitinprofils, legten den Verdacht auf einen bei dem Patienten bisher unentdeckten MCAD-Mangel nahe, der nach einer molekulargenetischen Untersuchung auch in der Form K329E homozygot bestätigt werden konnte.
Ausser diesem Bericht gibt es nur wenige andere, in denen ernsthafte Herzrhythmusstörungen bei Erwachsenen auf die Auswirkungen eines unentdeckten MCAD-Mangels zurückgeführt werden konnten. Der Bericht schliesst daher mit der Vermutung, dass die Möglichkeit eines vorliegenden MCAD-Mangels bei der Suche nach Ursachen von Herzrhythmusstörungen im Erwachsenenalter oft unberücksichtigt bleibt.
Wie bei den meisten medizinischen Berichten zum MCAD-Mangel handelte es sich auch hier um eine Situation, die vermutlich nur aufgrund des Umstandes eingetreten ist, dass der Patient nichts von dem bei ihm vorliegenden MCAD-Mangel wusste. Somit war ihm auch nicht bewusst, dass er in der vorangegangenen Krankheitsphase trotz Erbrechens unter allen Umständen auf eine ausreichende Kohlenhydratzufuhr (zur Not mit Infusion im Krankenhaus) hätte achten müssen.
Die heutigen Kinder, bei denen der MCAD-Mangel bereits kurz nach der Geburt festgestellt wurde, werden aufgrund dieses Wissens vermutlich nie in eine ähnlich kritische Situation geraten, jedoch zeigt dieser Bericht, dass das Risiko einer Stoffwechselentgleisung längst nicht mit dem Eintritt ins Jugendlichen- oder Erwachsenenalter endet. Sie sollten auch später bei jedem "irgendwie komisch fühlen" - egal ob in einer akuten Krankheitssituation oder nicht - den MCAD-Mangel sofort als eine der möglichen Ursachen in Betracht ziehen und diesbezüglich unterstützende Maßnahmen ergreifen, z.B. in Form von Traubenzuckerwürfeln, gesüßten Getränken oder sonstigen zuckerhaltigen Nahrungsmitteln.
Wann und warum sind Frauen mit MCAD-Mangel in besonderer Weise gefährdet?
Antwort: Bei einer Schwangerschaft! Auch dies ist ein Aspekt des MCAD-Mangels, über den es bisher keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, da so gut wie keine Frauen bekannt sind, die selbst einen MCAD-Mangel haben und schon schwanger waren. Eine normal verlaufende Schwangerschaft wird vermutlich (mehr dazu am Ende dieses Abschnitts) keine besonderen Erfordernisse mit sich bringen. Problematisch wird es allerdings dann, wenn sich im Verlauf der Schwangerschaft ein Gestationsdiabetes einstellt. Ob Frauen mit MCAD-Mangel in dieser Hinsicht weniger, gleich viel oder sogar stärker gefährdet sind, als der bundesdeutsche Durchschnitt mit 5-10%, ist bislang noch nicht abzusehen. Ebenso wenig ist bislang klar, wie man sich als betroffene Frau in so einem Fall zu verhalten hat. Sicher ist, dass ein unbehandelter Gestationsdiabetes für Kind und Mutter ein großes Risiko darstellt. Das Kind wächst im Mutterleib schneller als normal; die inneren Organe, vor allem die Lungen kommen mit der Geschwindigkeit jedoch nicht mit. Aufgrund der Größe muss es eventuell deutlich früher geholt werden, wenn die Lungen aber noch lange nicht ausgereift sind, usw. Eine Reihe weiterer durch den Gestationsdiabetes bedingter Risikofaktoren bzgl. Mutter und Kind machen ein schnellstmögliches Gegensteuern in Form einer entsprechenden Insulinbehandlung und ggf. einer Ernährungsumstellung dringend notwendig, um die ständigen Höhenflüge des Blutzuckerspiegels im Zaum zu halten.
Hier zeigt sich nun das Dilemma dieser Situation. Höchstwahrscheinlich haben sich weder die Frauenärzte, noch die in so einem Fall aufzusuchenden Diabetologen jemals zuvor Gedanken über die besondere Situation des gleichzeitigen Vorliegens eines Gestationsdiabetes und eines MCAD-Mangels gemacht. Vermutlich hat kaum ein Diabetologe überhaupt schon mal von letzterem gehört. Der häufig zunächst gegebene Rat "Essen sie einfach mal weniger und dann hauptsächlich Vollkornprodukte" mag bei vielen Frauen (ohne MCAD-Mangel) mit leichtem Gestationsdiabetes schon Abhilfe schaffen, bei stärkeren Formen kann ein einziger Bissen Vollkornbrötchen den Blutzuckerspiegel schon in Höhen treiben, die laut Arzt möglichst niemals erreicht werden sollten. "Dann essen sie vermutlich noch zu viel! Sie müssen ihre Mahlzeiten kleiner bemessen!" hieß es bei uns - von irgendetwas muss das Kind aber schließlich auch ernährt werden.
Eine Essensreduktion scheidet bei einer schwangeren MCADlerin definitiv aus. Erstens ist sie auch als Erwachsene auf regelmäßige und vor allem ausreichende Zufuhr von Nahrung (v.a. der darin enthaltenen Kohlenhydrate) angewiesen, zweitens muss darüber hinaus auch noch ihr ungeborenes Kind eine ausreichende Menge an Nährstoffen erhalten, drittens dauert dieses Herumexperimentieren mit Nahrungsmengen zu lange und viertens ist es sehr fraglich, ob damit überhaupt ein über Monate hinweg durchhaltbarer Mittelweg gefunden werden kann.
Aber auch die Insulintherapie ist nicht unproblematisch, da die Menge des pro Mahlzeit zu spritzenden Insulins genau berechnet werden muss, um nicht durch eine zu hoch bemessene Dosis vom nach der Mahlzeit noch zu hohen Blutzuckerspiegel nach kurzer Zeit in den Bereich der Unterzuckerung zu rutschen. Dieses Risiko ist bei MCAD-Betroffenen nun mal sehr viel höher, als bei "normalen" Gestationsdiabetes-Patientinnen. Es kann durchaus notwendig sein, dass vom Diabetologen ein sehr präziser
Ernährungsplan mit entsprechend genau bemessenen Insulinmengen
zusammengestellt werden muss, den es zwingend einzuhalten gilt.
Was bedeutet dies nun für den Fall der Fälle? Zum einen sollten alle jungen Frauen mit MCAD-Mangel sehr gut über sämtliche Aspekte der bei ihnen vorliegenden Stoffwechselstörung informiert sein, denn sie werden alle diese Zusammenhänge ihren Frauenärzten und eventuell auch Diabetologen erklären, und darüber hinaus jede sie betreffende Behandlungsempfehlung ständig überprüfen müssen. Keiner der Ärzte, mit denen sie im Verlauf der Schwangerschaft zu tun haben werden, wird auch nur annähernd einschätzen können, welche Rolle der MCAD-Mangel dabei spielen könnte.
Die Frauenärztin sollte nach Feststellung der Schwangerschaft sofort darüber informiert werden, dass ein MCAD-Mangel vorliegt und ein eventuell eintretender Gestationsdiabetes daher eine ganz besonders schwierige Situation darstellen kann, die kein langes Herumexperimentieren erlaubt, sondern eine schnellstmögliche und extrem genaue Einstellung der Insulintherapie erfordert.
Gegenüber der Krankenkasse ist es durchaus begründet, die Schwangerschaft einer MCADlerin bereits vom ersten Tag an als Risikoschwangerschaft einzustufen, so dass die Krankenkassen wichtige, über
die Standardleistungen hinausgehende weitere ärztliche Leistungen übernehmen, wie
z.B. häufigere Kontrollen, Überweisungen an entsprechende Spezialisten, den
Einsatz weiterer diagnostischer Mittel oder gegebenenfalls die Einweisung in ein Geburtshilfezentrum mit intensivmedizinischer Betreuung. Eventuell sollte man in dem Zusammenhang schon mal vorsorglich einen frühzeitigen Kontakt zum ggf. in Frage kommenden Diabetologen aufbauen.
Selbst wenn es zu keinem Gestationsdiabetes kommt - die Schwangerschaft einer selbst vom MCAD-Mangel betroffenen Frau stellt in jedem Fall eine besondere Situation dar, die von ihr selbst, vom Frauenarzt, der Hebamme und den weiteren Spezialisten in besonderer Weise überwacht werden sollte. Erst in 15-20 Jahren wird es dazu auf einer breiteren Datenbasis aufbauende Erkenntnisse geben, und das dank der Kinder, deren MCAD-Mangel in den vergangenen Jahren frühzeitig diagnostiziert werden konnte.
Hast Du zu dem Artikel noch Anmerkungen oder Ergänzungen? Hier geht es zur Diskussion dieses Beitrags im Forum!
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich
darauf hinweisen, dass ich als Autor dieser Seiten größten Wert auf Korrektheit gelegt habe, aber ansonsten
medizinischer Laie bin. Alle veröffentlichten Informationen wurden von
mir anhand verschiedener verfügbarer MCAD-Broschüren, Merkblätter,
Webseiten, Aussagen der Stoffwechselambulanz und sonstigen
Erkenntnissen und Erfahrungen (eigenen und denen unserer
Forumsteilnehmer) zusammengetragen. Das Lesen dieser Seiten darf aber
auf keinen Fall
den Besuch beim Arzt oder der Stoffwechselambulanz ersetzen, sondern
soll lediglich dazu dienen, schon mal etwas besser über die ganze
Thematik und Problematik Bescheid zu wissen!
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